Waren die Chancen je größer, die Dinge zum Besseren zu wenden?

Einige Hypothesen

Die Umwälzungen, welche die Menschheit heute durchmacht, gehören wohl zu den gewaltigsten seit Menschengedenken. Neben allerlei Zukunftsprognosen lesen wir heute viel darüber, wie dieser Umbruch uns verändern wird, sei es in Politik und Wirtschaft, Klima, Arbeit und Freizeit, Gesellschaft - eine ausführliche Liste würde das vorliegende Heft sicher allein nur mit Stichpunkten füllen. Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Frage: Stimmen unsere bisherigen Erklärungen für die weltweiten Veränderungen, die wir erleben? Ich möchte eine etwas andere Sichtweise zum Verständnis dieser fast schon revolutionären Veränderungen einbringen. Oder ist es angebracht, diese evolutionär zu nennen? Manches liegt auf der Hand und ist Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, vielleicht bekannt. Manches, was ich hier sagen möchte, hat hypothetischen Charakter. Es erlaubt, die Geschehnisse in einem größeren Kontext zu begreifen und damit eine andere innere Einstellung und Vorbereitung.

Was passiert um uns herum? - Vier Hypothesen

1. Alles Leben ist neuen Energien ausgesetzt.

Unser Leben vollzieht sich in natürlichen Stadien. Empfängnis, Kindheit, Pubertät, Erwachsensein, Alter und Tod sind uns geläufig. Ist es da nicht auch denkbar, dass andere Bereiche und Dimensionen, wie z.B. unser Planet Erde mit seinem organischen Leben, Entwicklungen durchlaufen, die verknüpft sind mit Veränderungen in unserem Sonnensystem und vielleicht im Universum? Wenn z.B. die Entwicklung des Magnetfelds unserer Erde von einem Dipol hin zu einem Multipol Zeichen einer Feldveränderung sind, die zu einer höheren Grundenergie der Erde führt, ist es dann nicht logisch, dass sich die Erde erwärmt?

Der frühere Vizepräsident der USA, Al Gore, erklärt in seinem Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit" eindringlich die Bedeutung und die langfristig verheerenden Auswirkungen globaler Erwärmung, und er mahnt entsprechende Konsequenzen an. Auch wenn es immer noch gerne als Theorie hingestellt wird, belegen alle Forschungen, die Al Gore zitiert, dass die globale Erwärmung eine Tatsache ist. Die Tageszeitung „Die Welt" schrieb Ende September: „Die Erde wird sich bis 2100 um drei Grad Celsius erwärmen, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht drastisch reduziert wird. Diese Schlussfolgerung ziehen von der Bundesregierung beauftragte Experten jetzt. Sie stützen sich auf einen bisher noch vertraulichen Entwurf für die neue Klimastudie der Vereinten Nationen (UN). Für Anfang 2007 hat der UN-Klimabeirat IPCC eine Aktualisierung seines Klimaberichts von 2001 angekündigt..." Wenn also die Grundenergie unseres Planeten zunimmt und als Konsequenz die Erde sich erwärmt, die Pole schmelzen, das Magnetfeld der Erde reagiert und Wetter und Klima sich verändern, könnte es dann nicht sein, dass auch die Grundenergie anderer nicht so ohne weiteres messbarer Bereiche zunimmt? Vielleicht registrieren wir das alle auf die eine oder andere Weise, indem z.B. unsere persönlichen Befindlichkeiten verstärkt werden: Bin ich fit und gesund, fühle ich mich noch energiegeladener; bin ich krank, depressiv, gestresst oder einfach nur negativ, dann wird auch das verstärkt, wenn ich nicht bewusst etwas dagegen unternehme. Positive Beispiele: die Welle des weltweiten Mitgefühls als Reaktion auf den Tsunami 2004, oder die Begeisterung während der Fußballweltmeisterschaft 2006, die auch Fußballmuffel wie den Autor schlichtweg angesteckt hat.
Auf der anderen Seite: die Zunahme von Terror und das Hervorbrechen von Gewaltpotentialen, die sich kaum einer nach dem Ende des kalten Krieges hätte ausmalen können.

Ich kann mich also fragen: Wenn ich heute über etwas wütend bin, ist die Wut dann vehementer als früher? Wenn ich melancholisch oder depressiv bin, hält die Stimmung dann länger an oder wird sie extremer? Wenn ich mich streite, ist der Streit heftiger oder schwieriger zu beenden? Wenn ich nicht gut verzeihen kann, fällt es mir heute noch schwerer?
Umgekehrt: Wenn mich jemand lobt oder ermutigt, erreicht mich dies heute mit mehr Kraft und Bedeutung, und geht es mir vielleicht noch lange nach? Berührt mich heute ein gutes Wort mehr, weil es mehr Gewicht und Potenz hat? Wenn ich im Freundeskreis plaudere, werden gute Gespräche heute als eindringlicher empfunden? Werden Mitmenschen nicht transparenter, weil das, was hinter der Fassade vor sich geht, mehr durchscheint, auch wenn die Person anders redet? Werde ich vielleicht auch transparenter für meine Mitmenschen?
Beispiele für eine Zunahme von Transparenz: Integrationsprobleme kommen zum Vorschein. Die für den Irakkrieg vorgebrachten Gründe werden hinterfragt. Unterschwellige politische oder religiöse Absichten werden verstärkt und kommen an die Oberfläche. Warum wird heute jede dritte Ehe geschieden? Vielleicht weil Konflikte oder individuelle Bedürfnisse verstärkt werden, wenn man sie nicht bewusst im Auge behält? Und wie steht es mit dem Phänomen der Hyperaktivität und der Zunahme psychischer Probleme?

2. Wir erleben den Beginn einer neuen Epoche der Weltgeschichte, Globalisierung ist nur eine der vielen Umwälzungen.

Wir sprechen viel von Globalisierung, weil die meisten von uns direkt oder indirekt finanziell davon betroffen sind; es geht da sowohl um unsere persönlichen Verhältnisse als auch um die Neuaufstellung ganzer Nationen im internationalen Wirtschaftsgeschehen. Da wir seit der Industrialisierung für das Wirtschaftsgeschehen besonders sensibilisiert sind, fallen uns hier Veränderungen sofort auf. Vielleicht aber ist das, was wir erleben, mehr als Globalisierung, vielleicht ein Epochenwandel. Indizien dafür könnten sein: Die klassische Trennung zwischen Arbeit und Freizeit relativiert sich. Frauen erreichen höchste politische Führungspositionen. Historische Männlichkeitsmerkmale scheinen sich zu verlieren. Hierarchische Strukturen lösen sich auf zugunsten von Teammitverantwortung. Die Macht der Medien und der öffentlichen Meinung auf politische Systeme nimmt zu. Soziale Kontakte sind durch das Internet nicht mehr auf klassische Distanzen beschränkt. Dazu kommt, dass das Wissen der Welt, das man sich bisher z.B. in Bibliotheken mühsam zusammensuchen musste, jedem Computerbesitzer zugänglich wird. (2005 gab es bereits mehr Webseiten als es Erdbewohner gibt, 8 Mrd.)

3. Sehnsucht nach Transzendenz und Spiritualität geht in die Tiefe.

Unsere inneren Erlebniswelten verändern sich: Haben Sie nicht auch in letzter Zeit Momente besonderer Eindringlichkeit oder Tiefe verspürt? Kann es sein, dass Sie mitten im Alltag plötzlich von etwas so fasziniert sind, dass es Sie für einen Moment völlig in seinen Bann zieht und ein inniger „Hyperkontakt" entsteht, für einen winzigen Augenblick, als ob sich eine Tür geöffnet hat, - und schwubs- ist sie wieder zu? Es scheint, als ob etwas unser seelisches Innenleben schärft, ohne unser Zutun, und wir dadurch intuitiver und sensitiver werden, nicht nur Menschen, sondern auch Orten, Plätzen oder Atmosphären gegenüber, die wir als angenehm oder unangenehm empfinden. Vielleicht erleben wir hier einen gesteigerten Ausdruck der spirituell-transzendenten Wirklichkeit unseres Daseins, die uns fragt: Wofür arbeite ich eigentlich? Wofür stehe ich? Lebe ich nur für mich? Warum nicht einfach aufgeben? Wir stellen uns diese Fragen persönlich und suchen die Antworten nicht in einer einzigen fest vorgegebenen Anschauung. Transzendenz und Religiosität sind heute für viele zu einem Patchwork unterschiedlicher Einflüsse geworden, wir integrieren Lebensweisheiten unterschiedlichster Herkunft, wenn sie uns weiterhelfen auf der Suche nach Orientierung und Wohlsein. Wo man auch hinsieht: Auf der Arbeit, überm Gartenzaun oder bei den Prominenten, wie Tom Cruise, Madonna oder Cat Stevens, will jeder nach seiner Fasson glücklich werden und bedient sich bei Scientology, Kabbala oder Islam. Letztendlich aber bleiben die Fragen: Wie sehr kann ich Schein von Sein trennen? Wie sehr ist mein Dasein in Grundwahrheiten gegründet? Ist mein Dasein im Einklang mit den feinen Resonanzen und Gesetzlichkeiten, bis in die Tiefen unseres Universums reichend?

4. Ist es für mich jetzt Zeit, voll verantwortlich und erwachsen zu werden?

Eine veränderte Wirklichkeit zwingt uns mehr und mehr, uns mit den Konsequenzen unseres Handelns auf allen Ebenen auseinanderzusetzen: Im Philosophischen Quartett vom April 2006 erklärte der Philosoph Peter Sloterdijk, wir hätten die Realität des Realen geschwächt in den letzten 50 Jahren, das Reale melde sich zurück, und es melde seine Forderungen in vehementerer Form an. Es genüge, nicht schlechter zu sein als die Schöpfung selbst. Werden wir so manchen Dingen, die wir auf die lange Bank geschoben haben, ins Auge blicken müssen? Wir reden von steigenden Energiepreisen. Was aber, wenn auch der Preis für unsere Lebensenergie steigt, für jene Kraft, die uns jeden Tag aufs Neue erhält, wenn von uns mehr als früher gefordert wird: Lebe näher am Leben, synchronisiere und sensibilisiere dich durch und durch mit der ganzen Wirklichkeit, lebe ganzheitlich und betreibe keinen Raubbau mit deinen Kräften und Anlagen! Ist das vielleicht eine Erklärung dafür, warum viele Menschen heute trotz aller medizinischen Errungenschaften so krank sind, gerade auch psychisch? (Es ist die Rede von über 120 Millionen psychisch Kranker in Europa!) Vielleicht werden wir kollektiv gesünder, wenn wir unserem Dasein als evolutionäre Wesen gerechter werden, wenn wir uns intensiver damit auseinandersetzen, was wir selbst geistig, körperlich, seelisch und spirituell für ein ganzheitliches Leben brauchen. Denn „der Mensch ist unauflösbar auf die ganze Wirklichkeit bezogen, die bekannte und die unbekannte" (John Steinbeck).

Was bedeuten all diese Veränderungen?

Sind wir zu unseren Lebzeiten vielleicht Zeuge einer evolutionären Veränderung, vergleichbar dem Weg aus dem angeblich finsteren Mittelalter in die Moderne? Machen wir vielleicht eine Entwicklung durch, die Leo Armin (1924-2002), Pionier der Template Philosophie, als Schritt vom homo sapiens sapiens zum „homo emancipatus" bezeichnet hat? Kommt die Menschheit vielleicht aus ihrer „Pubertät", um sich den wesentlich komplexeren Anforderungen des Erwachsenendaseins zu stellen, als Weltenbürger?
„Der Mensch hat das tiefe Bedürfnis, in seinem Leben einen Sinn zu erkennen: Insofern ist offenbar die Sehnsucht nach dem Transzendenten und dem Unendlichen im spirituellen Sinne fest im menschlichen Gehirn verankert." So der Bremer Hirnforscher Professor Gerhard Roth am 15.4.2006 in „Die Welt". Werden wir in der Zukunft nicht mehr anders können, als in Eintracht erwachsen zu werden, als Individuen, Nationen, Menschheit? Die Geschichte zeigt, dass in extremen Situationen oft das Beste zum Vorschein kommt: höchster persönlicher Einsatz, die Fähigkeit zurückstecken zu können, besondere Anpassungsfähigkeit und Rücksichtnahme, Erfindergeist, Besinnung auf Menschlichkeit. Vielleicht ist Leben in der Zukunft für weniger Anstrengung nicht zu haben?
Es ist unwahrscheinlich, dass wir zu unseren Lebzeiten das Ende all dieser Umwälzungen erleben werden. Während wir Menschen in unserem Beharrungsvermögen heute oft Teil der Gesamtproblematik sind, könnten wir auch Pioniere neuer Aufbruchsstimmung und Initiative sein, bereit, Veränderung zu akzeptieren, neu zu denken, neue Anpassungsfähigkeit zu entwickeln, Anspruchs- und Komfortdenken zu relativieren, Eigeninitiative zu ergreifen, z.B. sich in seinem Umfeld ehrenamtlich für etwas einzusetzen. Die Frage ist, was in uns überwiegt: Der Wunsch, sich am liebsten die Bettdecke über den Kopf zu ziehen oder sich der frischen Brise der Veränderungen zu stellen.

Ein Teenager wird erwachsen

Analogien, um Position zu beziehen im Lichte der anstehenden Veränderungen.

1. Teenager A blickt, verwirrt durch den Mix der Gefühle und pubertären Veränderungen, etwas unsicher in die Welt. Aber er greift die sich bietenden neuen Möglichkeiten, Freiheiten und Verantwortungen beim Schopf. Er arbeitet an sich, entwickelt seine Fähigkeiten und Talente und die nötige Disziplin und Rücksicht. Er akzeptiert, dass sich nicht alles nur um ihn dreht, und ist bereit, sich vom Komfort seines Elternhauses zu trennen. Wichtige Entscheidungen überlässt er nicht seiner Lust oder Laune.
Dies gilt möglicherweise für Individuen, Gruppen und Nationen.

2. Teenager B blickt ebenso verwirrt drein, aber hat vor allem seinen persönlichen Vorteil im Visier. Dabei lebt er noch auf Kosten anderer, z.B. seiner Eltern, er genießt die neuen Freiheiten und Möglichkeiten, er tut gerade das, was nötig ist, um seinen neuen Standard zu halten, aber auch nicht mehr. Solange es geht, macht er es sich bequem, mit allem, was damit einhergeht.
Uns im Westen ergeht es heute ähnlich: 200 Jahre industrieller Erfolge haben uns geprägt, zum Teil verwöhnt, und es ist nun nicht leicht einzusehen, dass wir jetzt einen neuen Gang einlegen müssen. Wir müssen wieder mehr anpacken, kreativer werden, aus der Not eine Tugend machen und lernen, mit dem Wesentlichen zufrieden zu leben. Hand aufs Herz, vielleicht ist es, ganzheitlich gesehen, das Beste, was uns passieren kann. Langfristig trägt die Globalisierung, so sehr es uns auch ans Eingemachte geht, vielleicht zu einer weltweit ausgewogeneren wirtschaftlichen Situation bei, vielleicht ist sie eine Entziehungskur für die Spaßgesellschaft.

3. Auch Teenager C ist verwirrt, aber er reagiert anders: Er findet sich in seinem neuen Leben nicht zurecht, ist unzuverlässig oder unberechenbar, weist Verantwortung von sich, reagiert rebellisch und mit kindlichem Zorn. Er verschließt sich gegenüber der Vernunft und nimmt, was er kriegen kann. Auf Kosten anderer zu leben, ist für ihn kein Problem. Er zeigt wenig Verständnis für Gesellschaft und Kultur und kennt sich eigentlich selbst nicht.

Einige Ideen, um fit und gefasst in die Zukunft zu gehen

1. Eine elastische Identität entwickeln.

Anstatt aus einer starren Identität heraus sein Leben zu leben (so bin ich nun mal!), ist es sinnvoll, sein Innenleben bewusst in unterschiedliche Leben zu differenzieren (siehe Topaz Nr. 14 über Identität): gleichzeitig z.B. Mutter oder Familienvater zu sein, Geldverdiener, Hobbygärtner, ethische Person, Beschützer, weitsichtiger Denker, Umweltschützer, spiritueller Mensch usw. So zu denken hat zwei Vorteile: Einmal wird unser Ego auf eine gesunde Diät gesetzt, da die unterschiedlichen Leben in einer Person sich gegenseitig ausbalancieren und nicht ein dickes Ego erlauben. Zum Zweiten halten sich Erfolg und Enttäuschung besser die Waage: Verlieren wir z.B. unsere Arbeit, so wird dies weniger an unserem Selbstwertgefühl nagen, da unsere anderen bewusst gelebten Identitäten für einen Ausgleich sorgen.

2. Sich selbst regelmäßig aktualisieren.

Sich selbst weiter zu entwickeln und zu verändern wird zunehmend wichtig. Das gilt gerade auch in Partnerschaften: Wenn Partner sich nicht in ihrem Potential und Wachstum gegenseitig ermutigen und bestätigen, dann kann dies leicht zu einseitigen Veränderungen und somit zu Ungleichgewicht und Konflikten führen. Es gilt also gerade im Umgang mit Menschen, mit denen man viel zu tun hat, eine feinere Sensibilität zu entwickeln.
Ein Umdenken findet heute im Westen auch statt, was Status oder Prestige einer Person angeht: Wir messen das heute weniger als früher am materiellen Einkommen, da es sich allmählich herumgesprochen hat, dass Geld nicht alles ist. Jemand, der sich vollen Herzens für ein sinnvolles Ziel einsetzt, aber nur einen alten Golf fährt, wird heute anders angesehen.

3. Sein Denken überprüfen.

Lebe ich rundum menschlich? Dazu gehören natürlich ausgewogene Ernährung und Bewegung. Aber wie sieht es mit meiner seelischen, geistigen und spirituellen Ernährung und Bewegung aus? Wie viel Zeit verbringe ich mit Sinnfragen? Warum leiden so viele Menschen an psychischen Problemen? Könnte es sein, dass die Selbstheilungskräfte unseres Körpers nicht mehr nachkommen, weil wir durch unsere Lebensweise, durch das, was wir tun, und durch das, was wir missachten, den Bogen überspannen? Forschungen sehen einen Zusammenhang zwischen einer dankbaren Grundeinstellung im Leben und besserer Gesundheit, sie haben auch nachgewiesen, dass Beten Heilungsprozesse beschleunigt. Solche Erkenntnisse können uns zu neuem Denken anregen. Ob wir intakt, gesund und vital in die Zukunft gehen, hängt davon ab, ob wir unserem inneren Wachstumspotential angemessene Zeit und Aufmerksamkeit zukommen lassen. Unser Denken stellt die Weichen.

4. Wir sind nicht das Zentrum des Universums.

Klar wissen wir, dass wir nicht das Zentrum des Universums sind! Aber wissen wir es wirklich? Die Bedingungen unserer Existenz, auf die wir keinen oder nur wenig Einfluss haben, nehmen wir meist als selbstverständlich hin, bis wir uns näher mit der Vielzahl von Faktoren auseinandersetzen, die Voraussetzung für organisches Leben im Universum sind, z.B. Naturkonstanten. Regelmäßig einige meditative Gedanken bezüglich der letzten Ursachen unserer Existenz aufzubringen oder eine kleine „Hommage" der Dankbarkeit kann sicher nicht schaden und ist ein gutes Detox gegen Anmaßung.

5. Neue Wege finden zu feiern, was wir wertschätzen.

Lasst uns doch nach außen mehr zum Ausdruck bringen, was für uns Bedeutung hat! Die Musik des Lebens spielt nicht nur in unserem Kopf. Echte Wertschätzung verharrt nicht bei uns selbst, sondern wird in unserem Umfeld sichtbar. Ein sorgfältig gestalteter Gruß per Post als Dankeschön anstatt einer E-Mail hat schon manchen Tag verändert, einen persönlicheren Eindruck hinterlassen! Warum nicht Dinge, die man routinemäßig sowieso erledigt, z.B. Müll herausbringen, Spülmaschine ausräumen, Tanken, Fernsehen, Essen.., mit bewusst gewählter Bedeutung unterlegen. Warum nicht beim Duschen oder Zähneputzen diesen weiteren Tag als etwas Besonderes wahrnehmen, sich klar machen, wie man heute durch den Tag gehen möchte. Anfangs kann man sich ein kleines Memo an den Spiegel kleben. Das Schöne an einer solchen Übung ist, dass man sich immer wieder neu überlegen kann, worauf man sein Augenmerk richten möchte, und sich dann ein paar Zettel an die richtigen Stellen zu Hause hängt. Es hilft auch, den Arbeitsalltag mehr vor der Haustüre zu lassen und so private Zeit wirklich privat zu verbringen und nicht noch mit dem Kopf halb im Büro. Ohne viel Zeitaufwand kann man sich so selbst Entwicklungsimpulse setzen. Alternatives Denken und Wertschätzung sind meiner Erfahrung nach nicht etwas, was man einfach so hat, weil einem gerade danach ist. Sie wachsen wie alles anderes durch regelmäßiges Training. Teilen Sie uns ihre Ideen oder Erfahrungen zu dieser Übung mit! Wir freuen uns über ihre Zuschriften.

Worauf müssen wir uns einstellen?

1. Leben wird interessanter werden.

Es wird einem aber auch mehr abfordern. Neue Spielregeln werden vermutlich über kurz oder lang zu einer Erneuerung unserer Einstellungen führen. Es gilt, unsere Fundamente zu überprüfen und gegebenenfalls zu verstärken. Stabilität und Halt finden wir immer weniger in der Außenwelt, sondern in uns selbst. Daher lohnt es sich, Menschsein tiefer zu entdecken, z.B. durch Rückbesinnung auf Werte wie Anstand, Ehrlichkeit, Freundschaft, durch die Auseinandersetzung mit Grundfragen unserer Existenz, durch Streben nach Selbstkenntnis und Neuorientierung.

2. Schlummernde Talente und Fähigkeiten kommen zum Vorschein.

Der immer noch hohe westliche Lebensstandard kann ein Sprungbrett sein, unserem schöpferisch evolutionären Potential als Mensch mehr nachzugehen. Wir können dadurch mehr und mehr neue oder unbekannte Aspekte unserer Existenz begreifen, was unseren geistigen „Vogelkäfig" erweitert und belebt. Die Chancen für einen Aufschwung an Menschlichkeit, trotz und gerade auch aufgrund der ernsten Weltsituation, sind mittelfristig durchaus gegeben. In einem Artikel über die Superreichen Amerikas (Fokus Nr. 38/2006) heißt es, dass die Multi-Milliardengabe von Warren Buffet an die Gates-Stiftung viele zum Nachdenken gebracht habe und dass das Bedürfnis an Spiritualität immens sei. Zwischenzeitlich hat die Spende von Richard Branson (über 3 Mrd. Dollar) für die Forschung nach erneuerbaren Energien weiteres Aufsehen erregt. Vielleicht können wir entsprechende Möglichkeiten und Initiativen in unserem eigenen Leben entdecken.

3. Verkehrte Entscheidungen werden schneller als solche erkannt.

Daher wird man sorgfältiger überlegen müssen, was langfristig sinnvoll ist. Wir werden mit einer anderen Komplexität und Verantwortung bei unseren Entscheidungen konfrontiert. Weil uns die höchst komplexe Situation der Wirklichkeit zunehmend weniger Wahl lässt, werden wir öfters zu den richtigen Entscheidungen kommen müssen, was für uns eine Herausforderung neuer Kreativität, Schaffenskraft, und Charakterstärke darstellen kann.

4. Was funktioniert und nicht destruktiv ist, hat Vorfahrt.

Dogmen oder Ideologien der Geschichte werden langfristig als Teil der Geschichte zurückbleiben. Es werden nicht Meinungen gelten, sondern was die Prüfung der Wirklichkeit in ihrer vollen Bandbreite besteht. Mehr zu scheinen als zu sein ist Teil der Vergangenheit. Menschlichkeit wird zu den essentiellen Eigenschaften der Führungspersönlichkeiten des 21. Jahrhunderts gehören, wenn diese ernst genommen werden wollen.

5. Kontext und Bedeutung einer Sache werden so wichtig wie die Sache selbst.

Es wird in der Zukunft nicht nur um lebenslanges Lernen gehen. Es wird auch Offenheit und Neugierde gebraucht und erhöhtes Augenmerk auf die eigene Regeneration gelenkt werden müssen. Breitgefächertes Wissen allein reicht nicht aus, es kommt auf ethisch verantwortlichen Einsatz von Wissen an.

6. Neue Empfindungen, neue Verwirrungen stellen sich ein.

Wenn die zu Beginn dieses Artikels geäußerten Hypothesen zutreffen, dann kann die Zunahme an Grundenergie zweierlei Wirkung haben: Einmal kann die erhöhte Grundenergie aktivierend auf Körper und Sinne einwirken und uns in unserer Entwicklung stimulieren. Neue Forschungen zeigen, dass z.B. telepatische Wahrnehmung ein viel verbreiteteres Phänomen ist als bisher angenommen und es sich wahrscheinlich um eine natürliche Fähigkeit aller Menschen handelt. Es könnte aber auch eine andere Wirkung eintreten, ähnlich wie bei einem zu langen Schlaf. Hat man zu viel Energie geladen und kann diese nicht richtig umsetzen, fühlt man sich schlapp, erschöpft oder lethargisch. Ein weiterer Grund vielleicht, Position zu beziehen und sich aufzumachen zu neuen Ufern.